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Historischer Gottesdienst an Quasimodogeniti

Im Rahmen des diesjährigen 950-Jahr-Jubiläum fand am ersten Sonntag nach Ostern ein historischer Gottesdienst statt. Am 22. Februar 1763 erliessen Schultheiss, kleiner und grosser Rat von Bern, das sogenannte Mayen-Mandat. Es sollte fortan immer am ersten Sonntag nach Ostern von allen Kanzeln verlesen werden. In Anlehnung an die 10 Gebote werden die „ober- und unterbeamteten, wie auch allen unseren lieben und getreuen“ zu einem gottgefälligen Lebenswandel ermahnt und für gewisse Vergehen an die Strafmasse erinnertt. Von da stammt denn auch der Ausdruck „jemanden abkanzeln“, im Sinne von: „von der Kanzel öffentlich bekannt machen, bzw. ermahnen.“ 
In Anlehnung an frühere Liturgien bestand der Gottesdienst aus je aus einem Lied und Gebet vor und nach der Predigt. Die Predigt war deutlich länger. Darum der Ausdruck „z Predigt gah“, weil sie zeitlich länger dauerte und auf unzählige biblische Bezüge verwiesen wurde. Zur Erleichterung der Gemeinde las der Pfarrer nicht den ganzen Text von Ulrich Zwingli aus dem Jahre 1522, denn die Gemeinde musste für das Mayen-Mandat noch aufnahmefähig sein. Das fiel den Frauen und Männern um so einfacher, da die Gemeinde für einmal nach Geschlechtern getrennt in den Kirchenbänken sass. Die Frauen sassen auf der Nordseite (links) die Männer auf der Südseite (rechts) der Kirche.
Wahrlich ein Gottesdienst der zu reden gab. Zu spüren war aber auch eine gewisse Freude und Erleichterung, dass es heute nicht mehr so gestreng zu und her geht und sich die Schultheiss, kleiner und grosser Rat nicht mehr in die Angelegenheiten seiner Bewohnerinnen und Bewohner einmischen. 
Text: Rolf Weber
Bilder: Stefan Raiser