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Konzert Hanottre

HANOTTRE - was ist das, eine Hanottere? Tönt jedenfalls ziemlich berndeutsch und ist auch namensgebend für unser Duo. Hanottere heisst die Emmentaler Halszither bei uns im Emmtal; sie war vor 200 Jahren das Lieblingsinstrument der ländlichen Bevölkerung. Eine Zither ist die Emmentaler Halszither, also die Hanottere, allerdings nur dem Namen nach. Sie entstammt der Cister, einem lautenartigen, höfischen Instrument der Renaissance. Das Instrument fand in den folgenden Generationen auf verschlungenen Pfaden den Weg in die Volksmusik und kam im Emmental zu Gotthelfs Zeiten zu neuer Blüte. Heute staunen wir über die elegant proportionierten Instrumente, mit tropfenförmigem Korpus, langem Hals und zierlichem Wirbelschiff, das mit neun oder zehn Geigenwirbeln versehen ist. Diese sind zum Stimmen der fünf doppelchörigen Saiten, gelegentlich, zum Spielen angenehmer, ist die tiefste Saite nur einfach aufgezogen. Das Spielen kam allerdings schon nach 1860 aus der Mode, verschwand nach 1900 fast ganz, ebenso das Erinnern oder zumindest sorgfältige Aufbewahren dieser köstlichen Zeugnisse bäuerlicher Musikkultur.
Es dauerte Jahre, bis ich überhaupt nach und nach zu einigen Hanottere kam und diese zumindest ausstellungsfähig restaurieren und im Zithermuseum zeigen konnte. Aber, was ist ein noch so schön ausgestelltes Instrument, wenn es nicht durch seinen Klang berührt und bezaubert? 2007 konnte ich im Umfeld des Eidgenössischen Ländlermusikfestes in Stans, eingebunden im Programm der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, im ehemaligen Kapuzinerkloster ein mehrmonatiges, sehr umfassendes und viel beachtetes Ausstellungs- und Musikprojekt für alle Halszithern schweizerischer Herkunft realisieren, wo ich auch den Luzerner Instrumentenbauer Rico Limacher (Geigen- und Gitarrenbau Koch AG, Luzern) für den Bau einer neuen Generation von Hanottere begeistern konnte, die wir dann zusammen entwickelten. Schon in den ersten Jahren konnte er mehrere Dutzend bauen und verkaufen. Andere Instrumentenbauer und Spieler folgten unmittelbar. Das bereitet mir bis auf den heutigen Tag grosse Freude und Genugtuung: dank dieser, meiner damaligen Pionierarbeit, ist die Hanottere wieder erfolgreich ausgewildert, wie seinerzeit der Steinbock… und ist längst selbsttätig zum neuen Musikgut geworden, namentlich in der sogenannten neuen Volksmusik.
Die Hanottere bezaubert mit ihrem fröhlichen, glasklar brillanten Klang. Das macht Freude!
Mit unserer vielseitigen und vielsaitigen Musik pflegen wir Volksmusik aus dem Alpenraum und eigene Kompositionen, mit improvisatorischen Einschüben, Altes, Neues und Eigenes, von einfallsreich-überraschend bis fröhlich-pulstreibend. U de no Musig us em Ämmetau, vo z’hingerscht us de Chräche u z’oberscht uf de Höger.
Die Kirche Seeberg, wo wir am 25. Oktober 2025 ein sehr gut besuchtes Konzert geben durften, ist ein wunderbarer, stiller Ort in ruhiger Landschaft, ausgestattet mit einer betörenden Akustik, unter dem Schirm der eindrücklichen Reformationslinde, die wohl sogar wesentlich älter als 500 Jahre ist.
Danke für diesen schönen Abend mit euch allen!

     Lorenz Mühlemann: Akkordzither, Violinzither, Hackbrett, Dulcimer, Concertina, Gitarre, Tenorhorn
     Thomas Keller: Hanottere, Häxeschit, Muörgeli, Gitarrenlaute, Handorgel

Lorenz Mühlemann hat 1999 das einzige Museum für die Zither in der Schweiz eröffnet und ist Autor von 4 Fachbüchern und mehr als 20 Tonträgern. Seit 2003 befindet sich das Schweizer Zither-Kulturzentrum in den Räumen der 1614 erbauten Amtsschaffnerei in Trachselwald. Der Betrieb geht weit über ein herkömmliches Museum hinaus; mit seinen zusätzlichen Angeboten wie Musikschule, Werkstatt, Fachgeschäft, Archiv, Notenverlag und Konzertvermittlung besteht hier die nationale Anlaufstelle für alles Zitherale per se. Mit seiner regen Kurstätigkeit, kommentierten Konzerten und der vielseitigen Öffentlichkeitsarbeit ist er seit mehr als 30 Jahren bekannt als der Erneuerer von Zithermusik und –kultur  in der Schweiz. 
Eine besondere Leidenschaft gilt dem Unterrichten und Weitergeben seines Wissens und Könnens: Mehr als 1'000 Personen hat er in all den Jahren in das Spielen der Akkordzither eingeführt. Gerne konzertiert er mit den drei Duoformationen HANOTTERE, UNGERWÄX und AUF-TAKT.

Nähere Informationen: www.zither.ch

Thomas Keller interessiert sich seit Jahrzehnten für Volksmusik und hat sich das Spielen verschiedener Instrumente selber angeeignet. Thomas liest keine Noten, hört gut hin, spielt bald einfach mit, ist ein volksmusikalisches Urgestein und ein begnadeter Hanötteler (Spieler der Emmentaler Halszither). Bekannt geworden ist er mit der Berner Tanzmusik und später mit Formationen wie Hiesix, Eigets, Neoländler, HANOTTERE.
Text: Lorenz Mühlemann
Bilder: Stefan Raiser